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Wird der Meister schon im Playoff-Halbfinal gekrönt? Zwei Meinungen

Nach 23 Playoff-Spielen stehen die Halbfinals fest: In der Romandie balgen sich Fribourg und Servette um den Finaleinzug, im zweiten Halbfinal trifft Quali-Sieger Davos auf Titelverteidiger ZSC Lions. Ein Duell, das die Meisterfrage vorzeitig beantworten dürfte – oder doch nicht? Unsere Redaktoren Patrick Y. Fischer und Andy Maschek sind sich nicht einig.

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Die PostFinance Top Scorer Sven Andrighetto (ZSC Lions) und Matej Stransky (HC Davos) werden auch im Halbfinal wichtig sein. © PostFinance/KEYSTONE/Gaetan Bally

Patrick Y. Fischer sagt: Ja

Kennen Sie den Enten-Test? Er geht so: Wenn etwas aussieht wie eine Ente, schwimmt wie eine Ente und quakt wie eine Ente, dann ist es wahrscheinlich eine Ente. Was dieser Test mit den Paarungen in den Playoff-Halbfinals der National League zu tun hat? Meiner Meinung nach ziemlich viel. Denn wer die bisherige Saison – inklusive Playoff-Viertelfinals – verfolgt hat, kann nur zu einem Schluss kommen: Der Meister 2025/26 wird im Duell zwischen dem HCD und dem ZSC gekrönt werden.

Denn die Serie zwischen den Bündnern und den Löwen ist mehr als nur eine Serie zwischen dem Schweizer Rekordmeister und dem aktuell zweifachen Titelverteidiger. Es ist die Serie, die alles beinhaltet, was einen künftigen Meister ausmacht. Titelerfahrung auf Seiten der Zürcher, Titelhunger bei den Davosern. Den mit Abstand besten Torhüter der letzten Playoff-Jahre (Simon Hrubec) sowie das mit Abstand beste Powerplay der bisherigen Playoffs (HCD). Die zuverlässigsten Topskorer (die Top 5 der aktuellen Playoffs spielen ausschliesslich in Davos oder beim Z) und die grösste Breite an Spielern, die regelmässig skoren (0,50 Punkte oder mehr pro Spiel). Kommt hinzu, dass sowohl Davos (vor allem) als auch der ZSC bislang deutlich weniger Strafen nehmen, als die potenzielle Finalkonkurrenz aus Genf und Fribourg.

Da verwundert es nicht, dass im «anderen» Halbfinale zwei Teams verbleiben, bei denen eigentlich nur die Hoffnung der Vater des (Meister)Gedankens ist. Weil beide Teams in den Viertelfinals nur teilweise überzeugen konnten und auch deshalb über die volle Distanz von sieben Spielen gehen mussten. Weil sie dabei klare Schwächen (Gottérons Powerplay) und Defizite (was, wenn bei Servette die Imports nicht skoren?) offenbarten und ganz allgemein aktuell nicht über die Kadertiefe verfügen, um am Ende das oberste Meisterschaftstreppchen zu besteigen. Insbesondere, da bei Fribourg-Gottéron mit Marcus Sörensen, Sandro Schmid und Andrea Glauser gleich drei der absolut besten Spieler verletzt fehlen, was sich im bereits im Viertelfinale gegen Rappi bemerkbar gemacht machte. Doch selbst wenn ein Sörensen oder Glauser zurückkehren oder Servettes Super-Finnen weiterhin im entscheidenden Moment für die Differenz sorgen – im Finale gegen einen HCD oder ZSC im Endspielmodus wird das nicht reichen.

Und was, wenn mich der HCFG oder der Servette Hockey Club am Ende doch eines Besseren belehren und den Meisterkübel zu sich in die Westschweiz holen? Dann habe ich mich kräftig geirrt und beiden Last-Minute-Halbfinalisten nicht zugetraut, in der entscheidenden Meisterschaftsphase noch einmal zulegen zu können. So wie das vielleicht ein Drache oder ein Adler tun könnten, mit Sicherheit aber keine Ente.

Andy Maschek sagt: Nein

Den Qualifikationssieger HC Davos oder den Titelverteidiger ZSC Lions als Meister vorauszusagen, ist ein Hausfrauentipp. Die Chancen sind gross, dass der Sieger dieses Halbfinals am Ende auch die Trophäe in die Höhe stemmen wird. Aber ich setze trotzdem darauf, dass der Meister 2026 aus dem Halbfinal zwischen Gottéron und Servette kommen wird.

Die Davoser haben die Qualifikation dominiert, im Playoff-Viertelfinal gegen den EV Zug aber vor allem zu Beginn die Glücksgöttin Fortuna ziemlich arg beansprucht. Gegen die ZSC Lions muss nun eine Steigerung her, sonst platzt der Meistertraum schon sehr bald. Die Zürcher haben vor allem zum Ende des Viertelfinals gezeigt, dass mit ihnen zu rechnen ist und ihre Ambitionen deutlich unterstrichen. Denis Malgin zaubert, Sven Andrighetto dürfte bald zurückkehren und weiterhin treffen, Simon Hrubec hext und die auch die restlichen Imports nehmen immer mehr Fahrt auf. Wenn die Lions den Titel-Hattrick schaffen sollten, wäre wohl kaum jemand sonderlich überrascht.

So weit, so gut, aber für die finale Abrechnung schätze ich die Teams aus dem anderen Halbfinal mindestens gleich hoch, wenn nicht gar höher ein – vor allem Servette. Gottéron verfügt grundsätzlich über die Meisterqualität – von Coach Roger Rönnberg über Goalie Reto Berra bis zu den restlichen Spielern. Wichtig wäre, dass nach Attilio Biasca nun auch Marcus Sörensen und vielleicht bald auch Andrea Glauser mittun könnten, zumal Verteidigungsminister Patrik Nemeth zu Beginn noch gesperrt ausfallen wird.

Aber Gottéron ist heiss. Der Traum von ersten Meistertitel in der Klubgeschichte soll endlich Realität werden. Zudem will das Team seinem Captain und Identifikationsfigur Julien Sprunger einen rauschenden Abschied bescheren. Gottéron befindet sich auf einer Mission, und das kann Flügel verleihen. So wie gegen die Lakers, als die Freiburger mehrmals das Messer am Hals hatten, sich aber immer wieder befreien konnten. Oder wie am Spengler Cup 2024, als die erste Trophäe in der Klubgeschichte gewonnen wurde und Gottéron gezeigt hat, dass es eben doch zu Grossem fähig und nicht «untitelbar» ist.

Bei Servette, seien wir ehrlich, wäre ein Meistertitel keine allzu grosse Überraschung, Die Genfer gehörten schon zu Beginn der Saison zu den Titelkandidaten und haben sich nach einem schwierigen Start und einer Trainerentlassung prächtig entwickelt. Die Qualität im Team ist immens, angefangen bei Goalie Stéphane Charlin, der gegen Lausanne ein Tief wegsteckte und im siebten Spiel ein starkes Comeback gab und 96,43 Prozent der Lausanner Schüsse parierte. Zum Ende der Viertelfinalserie haben sich auch die Imports nach einem Zwischentief wieder zurückgemeldet. 

Der Sturm mit Markus Granlund, Sakari Manninen und Jesse Puljujärvi ist etwas vom Besten ausserhalb der NHL. Auch Vili Saarijärvi und Jimmy Vesey verfügen über immense Qualität, und der tschechische Verteidiger Jan Rutta ist die personifizierte Routine und weiss, was es braucht, um Titel zu gewinnen. Er hat mit Tampa Bay Lightning zweimal den Stanley Cup gewonnen und wurde 2024 mit Tschechien Weltmeister. Und er hat trotz seiner 35 Jahre noch Sprit im Tank, bekam im Viertelfinal 20:56 Minuten Eiszeit pro Spiel – länger standen in seinem Team nur Tim Berni (21:19 Minuten) und Vili Saarijärvi (21:13 Minuten) auf dem Gletscher. Alles in allem ist für mich somit klar: Servette kann auf dem Weg zum Titel nicht aufgehalten werden.

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